Eiszeitkino

Nachschlagen

Filmbegriffe erklärt: das Lexikon der Filmtechnik vom Stummfilm an

Rund fünfzig Begriffe aus Kinotechnik und Filmgeschichte, jeweils datiert und im Zusammenhang erklärt – nicht als Definition allein, sondern mit der Angabe, woraus sie entstanden sind.

Einträge: 51 Zeitraum: 1600–2000 Schwerpunkt: Analogtechnik
50 Einträge
Aufbau eines 35-Millimeter-Filmstreifens mit Perforation an beiden Rändern, Bildfenster in der Mitte und Lichttonspur daneben
Der Träger. Perforation, Bildfenster und Tonspur – die Begriffe des Lexikons sitzen fast alle auf diesem Streifen.
Glossar51 Einträge

Filmbegriffe aus der Filmtechnik, vom Stummfilm an

Die Filmbegriffe dieses Lexikons stammen überwiegend aus der analogen Filmtechnik, weil dort die Entscheidungen fielen, die das Aussehen der Filme bestimmt haben. Zu jedem Eintrag steht eine Datierung: das Jahr der Einführung oder der Zeitraum, in dem ein Verfahren in Gebrauch war. Wer Filmbegriffe nachschlägt, braucht diese Einordnung, denn ein Begriff ohne Zeitangabe lässt sich schlecht verorten, weil viele dieser Verfahren nebeneinander existierten und einander ablösten, statt sauber aufeinanderzufolgen.

Wie dieses Lexikon mit den Abschnitten zusammenhängt

Begriffe aus der Filmtechnik werden hier einmal erklärt und nicht in jedem Abschnitt erneut; die Filmbegriffe der ausführlichen Abschnitte verweisen jeweils hierher. Wo ein Begriff in einem der ausführlichen Abschnitte behandelt wird, ist er dort im Zusammenhang erklärt – etwa Nadelton und Lichtton im Abschnitt über den Wandel vom Stummfilm zum Tonfilm oder das Schüfftan-Verfahren beim Einfluss des deutschen Kinos.

Academy-Format

1932

Das von der Academy festgelegte Seitenverhältnis von 1,375 zu 1. Es entstand nicht aus gestalterischen Erwägungen, sondern als Rest: Die Lichttonspur nahm dem Bildfenster seitlich Platz weg, und das übrig bleibende Format wurde zur Norm erklärt.

Amplitudenschrift

ab 1920er

Lichtton-Verfahren, bei dem die Schwärzung der Tonspur gleich bleibt und die belichtete Fläche ihre Breite ändert. Auch Zackenschrift genannt. Robuster gegenüber Schwankungen der Entwicklung als die Intensitätsschrift und deshalb langfristig durchgesetzt.

Anamorphot

ab 1953

Optik, die das Bild bei der Aufnahme seitlich staucht und bei der Projektion wieder auseinanderzieht. Grundlage von CinemaScope: Der Kader bleibt derselbe, das projizierte Bild wird breiter.

Bildfrequenz

16–24/s

Anzahl der Einzelbilder pro Sekunde. In der Stummfilmzeit nicht festgelegt, üblich waren 16 bis 18; die Vorführgeschwindigkeit war Sache des Kinos. Der Lichtton erzwang eine Festlegung auf 24, weil die Tonhöhe an der Laufgeschwindigkeit hängt.

Bioscop

1895

Projektionsgerät der Brüder Skladanowsky, mit dem am 1. November 1895 im Berliner Wintergarten die erste Vorführung vor zahlendem Publikum stattfand. Es führte zwei Filmstreifen abwechselnd über zwei Projektoren – aufwendig, störanfällig und nicht vervielfältigbar.

Blende, Umlaufblende

seit 1895

Rotierende Scheibe im Projektor, die das Licht genau während des Filmtransports abdeckt, damit der Bildwechsel nicht als Wischer sichtbar wird. Mehrflügelige Blenden verdunkeln zusätzlich zwischendurch, um das Flimmern zu verringern.

Breitwand

ab 1953

Sammelbegriff für Formate mit deutlich breiterem Seitenverhältnis als das Academy-Format. Eingeführt als Antwort auf das Fernsehen, also als Eigenschaft, die das Konkurrenzmedium nicht wiedergeben konnte.

Chronofotografie

ab 1882

Verfahren von Étienne-Jules Marey, das mehrere Bewegungsphasen auf eine einzige Platte belichtet. Eine der Vorstufen des Films: Bewegung wird zerlegt, aber noch nicht wiedergegeben.

CinemaScope

1953

Erstes breit eingesetztes anamorphotisches Breitwandverfahren. Es kam ohne neue Kameras und Projektoren aus, weil nur die Optik getauscht werden musste – der Grund für seine schnelle Verbreitung.

Cinématographe

1895

Gerät der Brüder Lumière, das Kamera, Kopiergerät und Projektor in einem war, per Handkurbel lief und keinen Strom brauchte. Seine Transportfähigkeit, nicht seine Bildqualität, entschied den Wettbewerb der frühen Systeme.

Dreistreifen-Technicolor

ab 1932

Farbverfahren, das über einen Strahlenteiler drei Negative gleichzeitig belichtet, je eines für Rot, Grün und Blau. Erster abendfüllender Film 1935. Die Kameras waren schwer, lichthungrig und wurden nur vermietet, weshalb Farbe zwei Jahrzehnte die teure Ausnahme blieb.

Entfesselte Kamera

ab 1924

Bezeichnung für die vom Stativ gelöste, mitbewegte Kamera. Entwickelt für Murnaus Der letzte Mann, unter anderem mit Aufbauten auf Wagen und Gerüsten, um Blickbewegungen nachzuvollziehen.

Essigsyndrom

ab 1950er

Zerfallsprozess von Acetat-Sicherheitsfilm, bei dem Essigsäure frei wird, der Träger schrumpft und sich wellt. Der Nachfolger des Nitrofilms löste dessen Brandproblem und brachte ein eigenes Haltbarkeitsproblem mit.

Fantasound

1940

Frühes Mehrkanal-Tonverfahren, entwickelt für einen einzigen Film. Es erforderte eigene Wiedergabeanlagen in den Kinos und blieb deshalb ohne Verbreitung – ein Beispiel dafür, dass technische Überlegenheit allein kein Verfahren durchsetzt.

Filmarchitektur

ab 1910er

Entwurf und Bau der Räume, in denen gedreht wird. In Deutschland früh ein eigenständiger Beruf mit erheblichem Gewicht, was die Praxis begünstigte, eine gebaute Umgebung als Aussage über eine Figur einzusetzen.

Filmpalast

ab 1920er

Großes Lichtspielhaus mit über tausend Plätzen, eigenem Orchester, Foyer und Rangordnung, architektonisch am Opernhaus orientiert. Endpunkt der Entwicklung vom Ladenkino zum bürgerlichen Abend.

Greifer

seit 1895

Mechanismus, der den Film um jeweils ein Bild weiterzieht und ihn während der Belichtung stillstehen lässt. Sein Weg pro Zug bestimmt die Kaderhöhe – das Bildformat ist damit zunächst eine mechanische Größe.

Handkolorierung

ab 1896

Einfärbung einzelner Bildpartien von Hand, meist mit Pinseln und Schablonen, in arbeitsteiliger Serienarbeit. Neben der Viragierung der Grund dafür, dass der Stummfilm keineswegs schwarzweiß war.

Intensitätsschrift

ab 1920er

Lichtton-Verfahren, bei dem die Tonspur gleich breit bleibt und ihre Schwärzung ändert. Empfindlicher gegenüber Schwankungen der Entwicklung als die Amplitudenschrift.

Kader

seit 1895

Das Einzelbild auf dem Filmstreifen samt seinem Rahmen. Beim üblichen 35-Millimeter-Film entspricht ein Kader vier Perforationslöchern.

Kammerspielfilm

ab 1921

Deutsche Strömung mit wenigen Figuren, engem Schauplatz und genauer Beobachtung statt Handlung. Das formale Gegenstück zum Expressionismus, mit dem es das Ziel teilte, ohne Zwischentitel auszukommen.

Kinemathek

ab 1930er

Archiv, das Filme, Apparate und Begleitmaterial sammelt, restauriert und zugänglich macht. Die ersten entstanden, als die frühen Filme bereits Jahrzehnte alt waren – ein Grund für die lückenhafte Überlieferung.

Kinetoskop

1891

Guckkasten aus dem Labor Edisons, in dem ein Film als Endlosschleife lief und jeweils eine Person durch ein Okular sah. Keine Projektion: Edison hielt Einzelbetrachtung zunächst für einträglicher.

Kinoorgel

ab 1910er

Instrument zur Filmbegleitung mit Schlagwerk, Glocken und Effektzügen für Donner, Regen oder Sirene. Ein Ein-Mann-Orchester, mit dem ein Organist einen ganzen Abend bestritt.

Kinothek

ab 1910er

Gedruckte Sammlung kurzer Musikstücke, sortiert nach Situation statt nach Komponist – Verfolgung, Abschied, Unwetter. Grundlage, aus der ein Kapellmeister die Begleitung zusammenstellte.

Kopierwerk

seit 1895

Betrieb, der Negative entwickelt und Vorführkopien herstellt. Da jede Kopie physisch gezogen werden musste, war die Zahl der Kopien lange die eigentliche Grenze des Verleihs.

Laterna magica

ab 17. Jh.

Projektionsapparat für bemalte Glasbilder, teils mit beweglichen Elementen. Die Projektion vor Publikum ist damit deutlich älter als der Film; neu war 1895 nur das fotografische Bewegtbild.

Lichtspieltheater

ab 1905

Ortsfestes Kino, zunächst als umgebautes Ladenlokal. Die feste Miete erzwang wechselnde Programme und damit längere Filme – die Verlängerung zum abendfüllenden Spielfilm ist zuerst eine wirtschaftliche Folge.

Lichtton

ab 1919

Das Lichttonverfahren erklärt sich aus einem Prinzip: der Ton liegt als belichtete Spur auf dem Filmstreifen. Bild und Ton können bauartbedingt nicht auseinanderlaufen, was den Nadelton verdrängte. In analoger Form über sechzig Jahre in Gebrauch.

Malteserkreuzgetriebe

seit 1896

Schaltwerk, das die Drehbewegung des Antriebs in den ruckartigen Filmtransport übersetzt. Ein mechanisches Prinzip des 19. Jahrhunderts, das bis in die Zeit der digitalen Projektion in Betrieb blieb.

Mehrakter

ab 1912

Film über mehrere Filmrollen. Machte den abendfüllenden Spielfilm möglich und zwang die Kinos zum Rollenwechsel – daher die eingestanzten Markierungen am rechten oberen Bildrand.

Nadelton

1926–1931

Tonverfahren mit einer Schallplatte, die mechanisch mit dem Projektor gekoppelt läuft. Klanglich zunächst überlegen, aber unbrauchbar, sobald die Kopie nach einem Riss geklebt wurde: Der Ton lief dann dauerhaft voraus.

Nitrofilm

bis 1950er

Filmträger aus Nitrozellulose. Selbstentzündlich, brennt unter Sauerstoffabgabe auch unter Wasser weiter und zersetzt sich mit den Jahrzehnten. Hauptgrund dafür, dass ein großer Teil der Produktion vor 1930 verloren ist.

Oberhausener Manifest

1962

Erklärung von 26 jungen Filmemachern, die den etablierten deutschen Film für tot erklärten und ein Autorenkino forderten. Ausgangspunkt des Neuen Deutschen Films.

Perforation

seit 1890er

Lochreihen an den Rändern des Filmstreifens, in die Greifer und Zahntrommeln fassen. Ihre Teilung ist der Bezugswert für Kaderhöhe und Laufgeschwindigkeit.

Phonofilm

1923

Lichtton-Verfahren von Lee de Forest, kommerziell erfolglos, aber technisch einer der Wege, auf denen sich der optische Ton durchsetzte.

Rollfilm

ab 1889

Biegsamer, lichtempfindlicher Träger aus Zelluloid. Erst er machte längere Aufnahmen möglich; ohne ihn blieb es bei Reihenbildern auf Platten und Scheiben.

Schüfftan-Verfahren

1927

Anordnung aus teilverspiegeltem Glas, die ein Modell und eine reale Szene in derselben Aufnahme zusammenführt. Entwickelt für Metropolis, Vorbild aller späteren Kombinationen realer und künstlicher Bildteile.

Sicherheitsfilm

ab 1950er

Nicht brennbarer Filmträger auf Acetat- und später Polyesterbasis, der den Nitrofilm ablöste. Behob das Brandproblem, brachte beim Acetat aber das Essigsyndrom mit.

Sprachversion

1929–1933

Parallel gedrehte Fassung desselben Films in einer anderen Sprache, mit gleichen Kulissen und anderen Darstellern. Übergangslösung, bis Synchronisation und Untertitelung zur Routine wurden.

Stummfilm

1895–1932

Film ohne Tonspur auf dem Streifen. Die Bezeichnung ist irreführend: Der Ton entstand im Saal durch Klavier, Orchester oder Kinoorgel, war also vorhanden, aber in jedem Haus anders.

Todd-AO

1955

70-Millimeter-Verfahren, das den Filmstreifen selbst verbreiterte statt das Bild optisch zu stauchen. Mehr Fläche und damit mehr Auflösung, aber eigene Kameras, eigene Projektoren und doppelter Materialverbrauch.

Tonfilm

ab 1926

Film mit auf dem Träger oder gekoppelt mitgeführtem Ton. Der Übergang zwischen 1926 und 1932 zwang die Kinos zur Umrüstung und beendete die internationale Verwertbarkeit einer einzelnen Kopie.

Triergon

1919

Deutsches Lichtton-Verfahren von Josef Engl, Joseph Massolle und Hans Vogt. Erste öffentliche Vorführung 1922 in Berlin, vier Jahre vor dem kommerziellen Durchbruch des Tonfilms in den USA.

Ufa

1917

Deutsches Filmunternehmen mit eigenen Ateliers, Laboren, Verleih und Kinonetz, gegründet unter staatlicher Beteiligung. Ermöglichte Produktionen, die sich im Inland allein nie gerechnet hätten.

Viragierung

ab 1900er

Tönung einer fertigen Kopie im Farbbad. Konventionell verwendet: Blau für Nacht, Bernstein für Innenräume und Lampenlicht, Rosa für Romanze. Die Farbe lag im Bad, nicht im Negativ.

Vitaphone

1926

Nadelton-System von Warner Bros., mit dem Don Juan als erster abendfüllender Film mit durchgehender synchroner Musik lief. Ein Jahr später folgte der erste Film mit gesprochenen Passagen.

Wanderkino

1896–1910

Reisender Vorführbetrieb auf Jahrmärkten und in angemieteten Lokalen. Der Betreiber war zugleich Vorführer und Ausrufer; das Programm bestand aus Nummern von unter einer Minute.

Wochenschau

ab 1910er

Regelmäßiger Nachrichtenfilm im Vorprogramm. Bis zur Verbreitung des Fernsehens für viele die einzige bewegte Nachrichtenquelle – und deshalb auch das bevorzugte Instrument staatlicher Beeinflussung.

Zackenschrift

ab 1920er

Gebräuchliche Bezeichnung der Amplitudenschrift, nach dem gezackten Umriss der Tonspur. Auf analogen Kopien zwischen Bild und Perforation zu sehen.

Zwischentitel

1895–1932

In den Film einkopierte Schrifttafel, entweder als Dialog- oder als Erzähltitel. Weil ein Titel den Bildfluss unterbricht, wurde er zum rhythmischen Mittel – und weil er sich neu einkopieren ließ, war der Stummfilm international verwertbar.

Häufige Fragen

Wie ist dieses Lexikon der Filmbegriffe aufgebaut?

Alphabetisch, mit einer Datierung zu jedem Eintrag. Die Begriffe aus der Filmtechnik sind damit auch zeitlich einzuordnen. Die Datierung nennt das Jahr der Einführung oder den Zeitraum der Verbreitung, damit ein Begriff sich zeitlich einordnen lässt, statt nur definiert zu sein.

Warum stehen technische und historische Filmbegriffe gemischt?

Weil sie sich nicht sinnvoll trennen lassen. Das Academy-Format ist eine technische Größe, entstanden aus dem Platzbedarf der Tonspur; das Lichtspieltheater ist eine Betriebsform, aus der die Länge des Spielfilms folgte. Verfahren und Wirtschaftsform bedingen einander.

Welche Begriffe fehlen bewusst?

Reine Stilbegriffe der Filmkritik und Bezeichnungen aus der digitalen Produktion nach etwa 2000. Der Schwerpunkt liegt auf Begriffen aus der Filmtechnik, und das Lichttonverfahren erklärt dieses Lexikon ausführlicher als etwa die Farbkorrektur.